Re: (Problemhunde) Agression gegenüber Artgenossen


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Die folgende Nachricht zum Thema stammt von Steffen, steffen@dogteam.de, 16. Dezember 03 um 22:52 Uhr:

Antwort auf: Re: (Problemhunde) Agression gegenüber Artgenossen geschickt von Claudia am 16. Dezember 03 um 21:34 Uhr:

Hallo Claudia.

Zu Deiner Frustrationsfrage und ob/wie man Frust vermeiden kann oder ob es doch eher eine Angst ist, die dahintersteckt, kann ich nichts sagen. Dazu müsste ich die Hunde selber sehen. Um hier eine Prognose zu wagen müsste ich mich zu weit aus dem Fenster lehnen... und damit ist bestimmt niemandem geholfen. Ich kann nur sagen: Es kann alles, muss aber nichts :-|

Zu einer Sache kann ich aber noch etwas inden Raum werfen... so als Denkanstoß. Du schreibst:


: Steffen, du schreibst, ich sollte Situationen vermeiden, in denen sie dieses Verhalten weiter "trainieren" kann.

Weiter schreibst Du:

: Problematisch ist es eben dann, wenn man aneinander vorbeigeht, da sie dann mit dem Gefühl, den anderen Hund vertrieben zu haben, aus der Situation herausgeht. Ich war bis jetzt der Meinung, dass sich ihr Verhalten nur weiter verschlimmern würde, wenn ich den Kontakte zu anderen Hunden vermeide (und damit dem Problem einfach aus dem Weg gehe,was meiner Meinung nach jedoch keine Lösung ist) bzw. sie bei jeder Begegnung mit anderen Hunden anleine. Fühlt sie sich dadurch dann nicht noch unsicherer?

Dazu zwei Dinge:

1. Es ist vermutlich richtig, dass der Hund sich bestärkt fühlt, wenn er glaubt, den anderen vertrieben zu haben... zumindest, wenn es sich um ein Angstproblem handelt.
Deshalb schrieb ich auch, dass Du solche Kontakte nach Möglichkeit vermeiden solltest.

2. Ein Denkanstoß, der etwas weiter ausholt:
Beim Trainieren sagte ich, dass man den Hund die Entfernung selber wählen lassen sollte, sofern der Hund dazu noch in der Lage ist. Es gibt Hunde, die über dieses Stadium hinaus sind und selber die Distanz nicht mehr suchen, sondern dirket lospreschen wollen. Da geht das natürlich nicht.
Aber zum "Hunde selber Distanz wählen lassen" eine "Gedankenexperiment", das man sich mal durch den Kopf gehen lassen sollte, wenn man an ein gezieltes Training geht.

Stell Dir vor, Du hast Angst vor Spinnen. Vielleicht hast Du ja sogar wirklich Angst davor. Jetzt stell Dir vor, Du bist in einem Raum und an einer Wand sitzt eine riesige behaarte Spinne mit dicken Beinen und einem fetten Körper drauf. Ein widerlichen Viech!

Dazu jetzt 2 Situationen:

1. Du gehst in den Raum, siehst die Spinne in der entfernten Ecke sitzen. Du weisst, Du hast die Spinne im Auge und kannst Dich also einigermaßen beruhigt an den Tisch setzen und einen Kaffe trinken. Schließlich wéisst Du ja immer, wo die Spinne ist. Du könntest Dich zwar wohler fühlen, aber Du bist ja nur 2 Schritte von der rettenden Tür entfernt und beobachtest jede Regung der Spinne. Vielleicht traust Du Dich ja, wenn Du die Entscheidung völlg frei treffen kannst sogar näher ran, um aus dem Schrank eine Schokolade zu nehmen?

Kein wirklich entspanntes Umfeld für Dich, nicht wahr? Aber durchaus für Dich zu überblicken und Du kannst damit umgehen.


2. Jemand schubst Dich in den Raum, schließt hinter Dir die Tür ab, stellt Deinen Stuhl so, dass Du die Spinne nicht sehen kannst... obwohl Du genau gesehen hast, dass die Spinne sich eben noch bewegt hat! Du weisst nicht, in welche Richtung sie krabbelt! Du hast keine Wahl! Du musst Dich setzen und hast keine Chance die Spinne zu sehen. Dein Gegenüber möchte entspannt mit Dir Kaffee trinken und versucht Dich von der Spinne abzulenken... aber Du hast doch genau gesehen, dass die Spinne sich bewegt! Und Du hast keine Chance, aus dem Raum zu flüchten, weil die Tür abgesperrt ist! Du willst wissen, wo die Spinne ist! Du MUSST es wissen! Wahrscheinlich ist sie auf dem Weg zu Dir!

Das kribbelt ganz schön im Nacken und Du fühlst Dich sicher nicht so, als könntest Du so relativ entspannt wie in der ersten Situation Kaffee trinken.


Aber genau das versuchen wir mit Hunden, wenn wir ihnen ein Alternativverhalten beibringen, bei dem sie den anderen Hund nicht sehen. Der Hund lernt also nicht, mit der Situation klar zu kommen.

Und der abgesperrte Raum entspricht in etwa der Leine, an der der Hund ist. Kein schönes Gefühl, oder?

Dieses Beispiel macht recht schön klar, worauf es ankommt, wenn man dem Hund die Angst nehmen will. Ich möchte aber nochmal sagen, dass Doris' Ansatz auch nicht zwingend verkehrt ist. Ich persönlich bevorzuge es aber eben, primär an der Angst zu arbeiten und sekundär vielleicht an einem Alternatívverhalten, um die Situation erstmal handeln zu können.


Liebe Grüße
der Roman schreibende Steffen ;-)



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